Montag, 28. April 2014

Balkongestaltung mit wenig Geld

Aloha,
es kommt der Sommer, und Feri, die ja eigentlich Gärtnerin werden wollte, dafür aber hoffnungslos überqualifiziert war, pult inzwischen schon wieder den ganzen Tag in irgendwelchen Töpfen herum oder schnüffelt glücklich an Kräuterpötten! 
  
Falls jemand von euch auch einen kleinen Balkon hat (alternativ geht auch ein Stück Wiese, das Fensterbrett.. oder, ganz im Sinne des Guerilla-Gardenings: irgendwas wo man Erde auffüllen kann und Pflanzen hinsetzen kann, und wenn es eine an eine Laterne gebundene Konservendose ist!), möchte ich hier ein paar Tips teilen, wie man mit wenig bis keinem Geld- und Ressourcenaufwand eine kleine grüne Oase zaubert. So ein Balkon ist toll, um die Sonne zu genießen, um sich ein paar Sachen selbst anzupflanzen und auch, um Bienen Nahrung zu geben (denn durch die Monokultur in der Landwirtschaft stehen immer weniger geeignete Pflanzen zur Verfügung).


Pflanzen beschaffen
Man kann ein Vermögen für Pflanzen ausgeben! Im Prinzip kriegt man aber auch den gesamten Balkon mit ein paar Euro oder ganz kostenlos grün: erntet Samen in der Natur, tauscht welche mit Bekannten und Nachbarn oder fragt, ob ihr euch von deren Pflanzen etwas abstechen könnt.
Von vielen Pflanzen kann man später Samen aufheben und sie für das nächste Jahr aufheben. Beispielsweise habe ich vor etlichen Jahren ein Tütchen Ringelblumensamen für 1,25 € gekauft, mit den daraus neu entstehenden Samen hätte ich wohl ein kleines Feld bestellen können... jedenfalls habe ich nun weiterhin jedes Jahr kostenlos etliche Ringelblumen.
Für Kräuterblumenkästen kann man es auch mal mit Küchenkräutern aus dem Supermarkt versuchen (auch wenn selbst aussäen natürlich deutlich billiger ist). Da war meine Erfoglsquote bislang allerdings durchwachsen, einige wuchsen extrem, nachdem ich sie in einen größeren Topf gepflanzt habe, andere sind nach wenigen Tagen eingegangen (wozu die meisten Supermarktkräutertöpfe wohl leider auch gedacht sind, aufbrauchen und wegwerfen).
Manchmal kann man auch aus Kernen aus gekauftem Obst und Gemüse Pflanzen ziehen - es kann aber vorkommen, dass diese keine Früchte tragen oder gar nicht erst keimen, weil das Saatgut oft nicht "saatfest" ist, also eben zur industriellen Produktion von einer Erntegeneration gedacht war und nicht für weitergehende Pflanzengenerationen.

Wichtig bei der Pflanzenauswahl ist: standortgerechte, robuste Pflanzen aussuchen. Standortgerecht bedeutet, dass ihr abschätzen müsst, wie viel Sonne die Pflanzen abbekommen: bei viel Sonne eignen sich mediterrane Kräuter und Pflanzen wie Kamille oder Thymian. Für schattigere Plätze kann man z.B. Brunnenkresse oder Waldmeister nehmen. Robust bedeutet, dass ihr ruhig erstmal die "Standardsorten" nehmen könnt: da sind die Preise neidrig und die Erfolgschancen für Ernte oder Blüte höher. Nichts frustet doch mehr, wenn man eine sündhaft teure Edelminze kauft, bei der dann die Blätter hängen...

Aussaat und Erde
Als Erde nutze ich so ziemlich die billigste, die es beim rewe gibt (ca. 1,50 € für 20 Liter). Ganz ehrlich, ich habe bislang keinen großen Unterschied zu teurer Anzucht- oder Kräuterspezialerde gesehen. Für die Aussaat kann man z.B. Eierkartons nutzen:


Die gekeimten Pflanzen lassen sich damit einfach herauslöffeln und umtopfen und die Pappe saugt überschüssige Feuchtigkeit auf. Andere Methoden, die ich gesehen habe (die ich aber komplizierter fand) waren Aussaat in Erde in leeren Eierschalen und in senkrecht aufgestellten Klopapierrollen.

Pflanzbehältnisse
Die meisten meiner größeren Pflanzbehältnisse habe ich beim Sperrmüll entdeckt, der findet bei uns relativ regelmäßig statt. Auch im Winter schaue ich dann immer, ob ich irgendwo Töpfe entdecke. Selbst wenn es nur Übertöpfe sind, kann man diese trotzdem benutzen, wenn man unten einfach ein paar Löcher hineinbohrt.
Einige Kräuter habe ich auch in Konservendosen platzsparend an die Wand gehängt. Dazu hab ich einfach das Etikett entfernt und mit einem Nagel und Hammer unten ein paar Löcher zur Entwässerung hineingeschlagen, dann oben etwas Draht drum gewickelt und diesen an Nägeln in der Wand befestigt:


Raum gestalten
Das wichtigste bei kleinen Balkonen ist, dass man den vorhandenen Platz sinnvoll ausnutzt. Am einfachsten geht das, wenn man versucht, möglichst viel vertikal anzuordnen, beispielsweise mit den eben schon erwähnten Konservendosen an der Wand. Für meine Kräuter hab ich ein altes Metallregal aufgetrieben, das sehr wetterfest ist. Der Vorteil davon ist auch, dass ich weiter unten Kräuter deponieren konnte, die lieber Schatten mögen. Wer so ein Regal nicht findet, kann z.B. aus aufeinandergestapelten Weinkisten ein ähnliches bauen, das kann auch sehr schön aussehen!


In einer Ecke habe ich auch verschiedene Blumenkübel und Töpfe stehen. Damit das nicht einfach nur abgestellt aussieht und damit alle Pflanzen ausreichend Licht und Platz haben, habe ich die Höhe der Töpfe variiert, indem ich unter die hinteren Töpfe z.B. Ziegelsteine oder umgedrehte Übertöpfe gestellt habe, hier sieht man das ein bisschen:


Wer eine auftreiben kann oder Geld über hat, um sich eine zu kaufen, kann eine wetterfeste Holztruhe auf den Balkon stellen, um überzählige Töpfe, Erdesäcke, Schippe etc. diskret zu verstauen (bei mir ist da auch ein aufblasbares Planschbecken drin versteckt *hust*). Die kann auch gleich als Sitzgelegenheit dienen.

Ein schmaler Balkon wirkt meist größer, wenn man ihn nicht wie einen schmalen Gang möbliert, sondern ganz bewusst "Ecken" einbaut, und auf die schmale Seite etwas stellt. Schaut euch das Bild ganz oben nochmal an, dann wisst ihr vielleicht, was ich meine: Die Kiste mit den Erdbeeren, das Kräuterregal und die Bank bilden eine Ecke, wobei die Bank auf der Schmalseite des Balkons steht. Rechts steht dann nur ein schmaler Blumenkasten. Dadurch ist die Bank ein "Blickstopp" und der Balkon wirkt nicht mehr wie ein Schlauch (der entstünde, wenn die Bank z.B. rechts an die Wand gestellt wäre und man geradezu auf eine kahle Balkonwand gucken würde).

...nun noch ein paar Lampinons hinhängen oder kleine Laternen aufstellen, und schon hat man einen liebevoll eingerichteten Hippie-Balkon!


Was wächst bei Feri?
Als kleine Anregung, was man alles so pflanzen kann, hier meine diesjährige Liste (6 m² Balkon mit ziemlich starker Sonne):
  • Erdbeeren (in Holzbox, überwintert)
  • Säulenkirsche (die war teuer, aber ich wollte sie unbedingt haben)
  • Basilikum, Oregano, Koriander (ausgesäht, für Saucen)
  • Rosmarin (mein Lieblingskraut, ausgesäht, für Saucen, zum Räuchern und für Badesalze)
  • marokkanische Minze (super für Minztee!)
  • Salbei (ausgesäht, für Tee und zum Räuchern)
  • Schnittlauch, Petersilie, Brunnenkresse (ausgesäht, aufs Brot, stehen alle ganz unten im Regal wo mehr Schatten ist)
  • Ringelblume, Borretsch, Kappizinerkresse (alles einfache, schön blühende Blumen deren Blüten essbar sind)
  • Johanniskraut, Kamille (derzeit noch am keimen)
  • Tomate (ausgesäht, für Freund)
  • Altbestände: Hortensie, Lilien, irgendwas mit lila Blüten, Malve
  • 2 große Kübel ausgesähte "Bienenmischung", d.h. diverse Kräuter und Blumen, die gut für Bienen sein sollen (gab es neulich gratis bei rewe, die erste Biene hab ich schon beim Aussäen gesichtet, wie süß!)